Die Huadara-Chronik

Die Huadara-Chronik

 

Als wir (der Jäger Hans, der Jahrstorfer Albert (Abb) und der Lehner Franz) vor vielen Jahren einmal nach Waldkirchen fuhren, verschlug es uns auch ins Modehaus Garhammer, wo wir nach stundenlanger Beratung durch das versierte weibliche Personal beschlossen, uns Hüte zu kaufen. Spätabends bei der Heimfahrt kam es dem Abb in den Sinn, dass seine (damals) zukünftige Schwiegermutter Lise Schmatz ausgerechnet an diesem Tag Geburtstag hatte – man schrieb den 12. Dezember 1996. Im Auto probten wir ein paar Lieder und gratulierten ihr - mit unseren neuen Hüten auf dem Kopf. Die  Huadara waren geboren. Bald darauf sangen wir zu dritt bei der Kirchenchorweihnachtsfeier Weihnachtslieder. Innerhalb weniger Monate kamen dann allmählich die übrigen vier dazu: Der Lehner Sepp, der Staudhammer Sepp, der Anthofer Ewald (Kuno) und der Schwab Bernd. Und nachdem sieben eine heilige Zahl ist, beschlossen wir, es bei dieser Anzahl zu belassen. Dem Franz fiel bald eine biblische Schöpfungsgeschichte ein und die Jäger Angela malte das passende Schöpfungsbild dazu. Nachdem zunächst kein Hahn nach uns krähte, beschlossen wir, einfach selber mal aufzutreten: Donnerstags waren die Altschützen in der Schlosswirtschaft. Wir hatten gerade ein paar Lieder geprobt – unter anderen das „Suserl“ – und kamen einfach zu ihnen ins Nebenzimmer, um ihnen was vorzusingen. Den Abend und vor allem den folgenden Tag werden wir in ewiger Erinnerung behalten. „Habt Ihr gut geschlafen, Herr Lehner?“ war noch eine der harmlosesten Fragen, die da am nächsten Vormittag auf uns hereinprasselten. Das hinderte uns nicht daran weiterzumachen. Wir trafen uns regelmäßig zum Proben und Ratschen bei irgendeinem zu Hause. Bis uns die Knöpfe  der Hosen zu eng wurden! Ab diesem Zeitpunkt trafen wir uns an unverfänglicheren Orten. Bei der nächsten Kirchenchorweihnachtsfeier hatten wir zu unseren Hüten schon eine einheitliche „Berufskleidung“. So richtig ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit kamen wir dann mit dem ersten „Hoagarten“ am 4. April 1998 im Saal der Schlosswirtschaft zusammen mit der Niederalteicher Klarinettenmusi, dem Mooser Frauendreigesang, den Mooser Musikanten und dem Pleintinger Herbert (Habb). Maiandachten, Geburtstage und Weihnachtsfeiern waren unsere nächsten Auftritte. Und langsam begannen wir, bayerisches Liedgut nicht nur nachzusingen, sondern eigene Textfassungen zu schreiben.

Der Hans entwickelte sich mit seinem Engagement und seinen Ideen schnell zum „Oberhuadara“ und die Schlosswirtschaft wurde bald zu unserer „zwoatn Hoamat“ nach den Proben, weil uns der Schlowi-Michl und seine Irmgard immer bestens betreuten. Der nächste Hoagarten am 20. März 1999 war schon
ausverkauft, bevor wir an ein Inserat in der Zeitung gedacht hatten. Da machten wir dann vom „Live-Mitschnitt“ gleich unsere erste CD - „Boarischer Hoagarten in der Schlosswirtschaft Moos“. Von den 500 Stück gingen einige sogar nach Kanada und in die USA. Von nun an waren wir auch außerhalb des Dorfes gefragt: Es ging nach Osterhofen, nach Landau und dann an Pfingsten 2000 zum ersten Mal zum großen Volksmusikspektakel „drumherum“ in Regen. Dort ergab es sich zwei Jahre später durch eine Namensverwechslung eines Besuchers, dass wir unsere „Huadara-Freunde“ aus Tüssling kennenlernen durften. Bald kamen wir uns persönlich näher und halten seither eine intensive
freundschaftliche, musikalische und kulinarische Verbindung aufrecht. Was ist die Musik doch für eine Bereicherung! Unsere Hoagarten waren mittlerweile zu einer festen kulturellen Einrichtung geworden, die jedesmal von großem Erfolg gekrönt waren.
Wir erweiterten unser Liedrepertoir nicht nur mit zahlreichen boarischen Liedern, sondern auch mit umgetexteten Schlagern. Und der Hans schrieb seine ersten eigenen Lieder. Der Sepp setzte sein Sprachgefühl, seine Beobachtungsgabe und seine zeitkritischen Gedanken zunehmend in eigenen Texten um, die er dem Publikum pointenreich unter die Nasen rieb, bis ihnen die Tränen herunterkullerten. Der Bernd strapazierte die Lachmuskeln unserer Zuhörer mit seinen tatsächlich so erlebten „Lügengeschichten“. Der Abb wickelte mit seinen
Ansagen und Bemerkungen nicht nur unser weibliches Publikum um den Finger, er lernte neben dem Akkordeon auch noch das Trompete spielen. Sein „Nabelbruch“ fand Eingang in die musikalische Weltliteratur und wird wohl irgendwann auch in den „Charts“ zu finden sein.
Unser Franz glänzte u.a. in diversen Frauenrollen und bewies bei unseren
Tanzeinlagen ein unglaubliches Taktgefühl. 
Der Staudl entwickelte neben seinen gesanglichen Qualitäten auch noch ein Faible für das Schlagwerk (Ritsch-Ratsch und Cachon) – und für ein russisches Volksinstrument! Seine „Balalaika-Zunge“ muss man einmal erlebt
haben! Und der Kuno bringt nicht nur „Power“ in die dritte Stimme. Er sorgt mit seiner Gitarrenbegleitung neben der Akkordeonbegleitung vom Hans auch für unser
melodisches Grundgerüst. So haben wir uns nicht nur gesucht und gefunden, sondern von Jahr zu Jahr auch musikalisch und kabarettistisch weiterentwickelt.


Die jährlichen Hoagarten boten uns immer wieder den Anreiz und die Herausforderung zu neuen Ideen, die wir dann in Form von Musik, Texten und schauspielerischen Einlagen auf die Bühne brachten. Jeder Hoagarten stand bisher unter einem anderen Motto: „Gurkenzupferfest“ (2000), „Oackern“ (2001),
„Mooser Dorfgericht“ (2002), „De mit´m Huat san guat“ (2003), „G´heirat werd“
(2004), „Prost,Mahlzeit“ (2005), „Grod z´Fleiß“ (2006), „Bei de Hopfenzupfer“
(2007), „A wengerl z´samm gstandn“ (2008), „I mog Bayern“ (2009), „jung und
pfundig“ (2010), „Ja gibt´s des aa? – 15 Jahre Huadara“ (2011), „Da Himme auf
Erdn“ (2012).


In besonderer Erinnerung wird uns der Auftritt mit unseren „Huadara-Kindern“ beim Hoagarten 2010 bleiben. Zum ersten Mal gestalteten wir
das gesamte Programm zusammen mit unserem Nachwuchs. Und wir hatten einiges zu
tun, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Aber eine riesige Freude war es schon, und irgendwann sollten wir das mal wiederholen!  


Seit einigen Jahren veranstalten wir jährlich immer zwei Hoagarten-Abende in der Schlowi. Der Kartenvorverkauf Monate vorher sorgt jedesmal für großen Andrang, stundenlanges Anstehen – und Verärgerung bei denen, die wieder mal keine Karte gekriegt haben. Die zweite CD zum zehnjährigen Jubiläum 2006 ist
mittlerweile auch nur noch im Tauschhandel erhältlich. Vielleicht sollten wir noch eine dritte ins Auge fassen? Aber wann?


Wir sind ja nun schon seit Jahren nicht mehr nur in Moos auf der Bühne, sondern „rundumadum dahoam“: in St.Martin (OÖ), in der
Kulturwirtschaft in Ottmaring, auf den Kleinkunstbühnen in Auerbach, im Bürgerspital
in Plattling, bei unseren Freunden in Tüssling, beim Volksmusikfestival in Bad Birnbach, bei den Ihrings in Plauen, in der Stadtbibliothek in Osterhofen und, und, und...


Auch bei unseren Trainingswochenenden oder musikalischen Ausflügen allein oder mit befreundeten Musikgruppen kommen wir weit herum: nach Oberbayern, in die Steiermark, auf ein Isarfloß, ins Hofbräuhaus, in eine
„Casting-Show“, in einen „Party-Zug“ der Deutschen Bahn, Hans und Abb zum Pilawa in Hamburg, Kuno und Abb nach Köln, um eine Million zu retten… Und immer ergibt sich neben den musikalischen „Glanzlichtern“  auch eine Vielzahl von menschlichen Begegnungen, ob nun mit Zuhörern,  Musikerfreunden oder wildfremden Menschen wie in der Münchner Fußgängerzone.


Eine ganz besondere Freude haben wir im November 2011 erfahren dürfen: Die Verleihung des Kulturpreises der sieben Donaugemeinden an das niederbayerische Vokalensemble die Huadara aus Moos für „wundervolles Wirken im Bereich der bayerischen Volkskultur, bei dem sie in hervorragender Weise traditionelle und zeitgemäße Elemente harmonisch verbinden“.

 

Da kann man schon ein bisschen stolz sein. Und eine Herausforderung ist es auch, noch ein paar Jährchen weiterzumachen. Aber so lange wir selber eine Freude haben und unser Publikum auch, da braucht uns vor der Zukunft nicht bange sein.

 

„Damma weida, damma zua, weil mia ham no lang ned gnua!“

 

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